„Die Nervosität kommt im Flieger“

Als Gewinner der WorldSkills Germany reist Kai Redmann im Oktober zur WM nach Abu Dhabi

Als Gast besuchte Kai Redmann auch das Finale der russischen nationalen Meisterschaften der WorldSkills in Krasnodar. Hier wurden bereits die Teilnehmer der WordSkills 2019 in Kazan gesucht.
Als Gast besuchte Kai Redmann auch das Finale der russischen nationalen Meisterschaften der WorldSkills in Krasnodar. Hier wurden bereits die Teilnehmer der WordSkills 2019 in Kazan gesucht.

Kai Redmann ist im beschaulichen Lindenfelde bei Demmin in Neubrandenburg aufgewachsen, wo er schon als junger Mensch aus großem Interesse am Thema profundes IT-Wissen aufbaute. Im Berufewettbewerb WordSkills 2017 in Stuttgart bewies er sein Können und holte sich den Titel des Deutschen Meisters im Skill 39 „IT Netzwerk System Administration“. Als Teil des Nationalteams reist er nun zu den Weltmeisterschaften der WorldSkills im Oktober in Abu Dhabi. Das Linux Professional Institute Central Europe und dessen Partner Linuxhotel, Rheinwerk Verlag und Computec unterstützen ihn bei den Vorbereitungen. Wir sprachen mit dem talentierten jungen Mann über den Wettbewerb und wie er dazu kam.

LPI: Wie fühlt es sich an, "Meister der Netzwerke" zu sein?

Kai Redmann: Eigentlich hat sich vom Gefühl her nichts geändert. Ich bin immer noch der selbe Mensch, der ich vorher war. Aber es ist schon angenehm, wenn man von Kollegen oder sogar Kunden darauf angesprochen wird.

LPI: Wie bist Du zur IT gekommen?

Kai Redmann: Im Grundschulalter durfte ich ab und zu an unserem ersten Rechner mit Windows 98 spielen. Ich hatte sogar eine eigene Diskette mit PacMan drauf. Dann hatte irgendwann meine Mutter von der Arbeit einen alten schrottreifen Rechner mitgebracht, den wir gemeinsam auseinandergenommen haben. Das war auch mein erster Umgang mit einzelnen Komponenten.

LPI: Was fasziniert Dich an dem Thema?

Kai Redmann: Ich kann meine technische Neugier ausleben. In der Schule durfte ich das Wahlfach Informatik belegen, was wir viel Spaß gemacht hat. Damals sammelte ich meine ersten Erfahrungen mit dem Programmieren. Visual Basic fand ich sehr einfach zu lernen und hatte schnell erste Erfolgserlebnisse. Vorher hatte ich ein paar kleine Rechenprogramme mit TurboPascal geschrieben. Aber zu der Zeit war ich noch zu jung, um das tiefergehend zu verstehen. Nach einigen Praktika konnte ich die Möglichkeiten der IT erahnen und war fasziniert. Schnell hatte ich erste virtuelle Server aufgebaut und viel experimentiert.

LPI: Wodurch wurdest Du auf die WorldSkills aufmerksam?

Kai Redmann: Als ich meine Lehre zum Fachinformatiker für Systemintegration bei den Neubrandenburger Stadtwerken anfing, lernte ich meinen Berufsschullehrer Dr. Olaf Kappler kennen. Er war bereits vom WorldSkills-Fieber infiziert und hatte viel darüber erzählt. Gegen Ende des zweiten Ausbildungsjahres hatte er dann in die Klasse gefragt, wer gerne mal teilnehmen möchte. Ein Großteil erfüllte die Alterskriterien nicht und einige andere waren einfach nicht dafür bereit. Da ich zu dieser Zeit noch recht schüchtern war, hielt ich mich auch lieber zurück.

LPI: Wie kam es dann zu Deiner Teilnahme?

Kai Redmann: Ich wurde vorgeschlagen und ließ mich überreden. Daraufhin hatte ich 2014 beim Landeswettbewerb Mecklenburg-Vorpommern den zweiten Platz errungen und durfte bei den deutschen Meisterschaften, ebenfalls 2014, in Neubrandenburg teilnehmen. Da wurde ich wider Erwartens ebenfalls Zweiter und somit zum Kandidaten für die EuroSkills 2016 in Göteburg. Weil ich zu diesem Zeitpunkt immer noch in dem Altersrahmen der WorldSkills Abu Dhabi war, konnte ich an einer neuen Runde teilnehmen. Wieder über Landeswettbewerb zum Bundeswettbewerb und... Ich habe es zum Glück geschafft, denn es war nicht leicht!

LPI: Was hast Du außer dem Pokal durch den Wettbewerb noch gewonnen?

Kai Redmann: Ich habe einen Haufen Leute kennengelernt, die genauso in IT vernarrt sind wie ich. Mit einigen von denen bin ich noch immer in Kontakt. Mit dem zweit- und drittplatzierten Thorsten Reichelt und Steffen Weißmann besonders. Die beiden stehen vor einem langen Training für die EuroSkills in Budapest. Dabei unterstützen sie mich bei Fragen und Problemen, die ich zeitlich schwer lösen könnte. Nach Abu Dhabi drehen wir dann den Spieß um und ich unterstütze und löse deren Probleme mit. Selbst International durfte ich bereits einige nette Personen kennenlernen, und nicht nur Teilnehmer aus meinem Berufsfeld. Zum Beispiel bei meinen Aufenthalten in Russland und in Liechtenstein.

LPI: Wie geht es jetzt für Dich weiter?

Kai Redmann: Aktuell heißt es für mich üben, üben, üben, damit ich in Abu Dhabi meine Bestleistung geben kann. Was dort danach kommt, kann ich schwer sagen. Auf jeden Fall bin ich an weiteren Industriezertifizierungen sehr interessiert und stehe natürlich für diverse Fragen und Unterstützung für die kommenden Teilnehmer zur Verfügung.

LPI: Bist Du schon nervös wegen Abu Dhabi?

Kai Redmann: Die Nervösität ist aktuell noch kein Thema. Ich erwarte sie aber spätestens im Flieger nach Abu Dhabi.

Hintergrund:
Das Linux Professional Institute Central Europe und dessen Partner Linuxhotel, Rheinwerk Verlag und Computec unterstützen das deutsche IT-Nationalteam bei den Vorbereitungen auf den bevorstehenden Wettbewerb. Für Kai Redmann gab es ein Komplettpaket LPIC-1 und LPIC-2 von Autor Harald Maaßen aus dem Rheinwerk Verlag und einen Zugangscode im Wert von 499 Euro für den LPIC-1-Kurs der Computec IT-Academy. Das Linuxhotel ermöglichte der IT-Nationalmannschaft im Skill 39 den Zugang zu einem Training im Wert von rund 2.000 Euro.

Verfolgen kann man die Ereignisse rund um Skill 39 der WorldSkills auch auf dem Facebook-Kanal des LPI CE unter fb.com/LPIDACH/ oder auf Twitter unter twitter.com/LPI_CE