„Austausch ist wichtig für Entwicklung“

Linux-Experte und WorldSkills-Jurymitglied Mark Swillus im Interview

 

Fachinformatiker Mark Swillus (24) kennt sich mit Linux aus, das hat er schon mehr als einmal bewiesen. Unter anderem als Teilnehmer der Berufe-Europameisterschaften EuroSkills, bei denen er gemeinsam mit Tim-Thomas Micheel und Simon Stamm im Bereich der IT-Berufe 2014 in Lille Bronze holte. Wie er den Weg zu Linux fand, was die Community für ihn bedeutet und wieso er heute in der Jury der WorldSkills sitzt, erzählte er uns im Interview.

LPI: Mark, wie bist Du zur IT gekommen?

Mark Swillus: Das war im Laufe meiner Schullaufbahn. Ich habe gemerkt, dass mir das Thema liegt und dass ich Spaß daran habe. Mit der Zeit ist das dann mein Hobby geworden.

LPI: Hattest Du in der Schule auch den ersten Kontakt zu Linux?

Mark Swillus: Ich kam erst spät zu Linux – Open Source ist an Schulen leider zu wenig vertreten. Und in der Regel hat man keine Möglichkeit, so tief in den Operations-Bereich reinzugehen, wie wir das bei den WorldSkills machen. So richtig habe ich mich erst damit beschäftigt, als ich mich auf die Deutschen Meisterschaften im Rahmen der WorldSkills vorbereitet habe. Und da habe ich für mich gemerkt: Mensch, das isses!

LPI: Was hat Dir so gut gefallen?

Mark Swillus: Die Philosophie dahinter, die Menschen, die Community. Es ist abgefahren, wie viele Leute sich zusammenfinden und coole Sachen machen, ohne dass immer gleich ein Konzern oder eine Agenda dahinterstecken. Wenn das überall so wäre …

LPI: Was wäre dann?

Mark Swillus: Dann wären wir schon woanders. Die Hilfsbereitschaft, das Interesse und die Motivation, wie sie in der Community gelebt werden, wären in anderen Bereichen wünschenswert. Die Offenheit, alles so zu designen, dass andere es weiterentwickeln können und zu sagen: Nimm einfach, spiel damit rum und verbessere es. Die Einstellung finde ich total gut und es wäre schön, wenn es das in vielen anderen Bereichen auch gäbe.

LPI: Diese Einstellung bringt Entwicklungen voran?

Mark Swillus: Ja klar. Austausch ist wichtig für Entwicklung. Das reicht ganz weit. Wenn zum Beispiel Wissenschaftler, die für den öffentlichen Bereich arbeiten, Paper in Magazinen veröffentlichen, für die die Uni eine Subscription braucht, damit ich das lesen kann, finde ich das albern. Zumal der Wissenschaftler eigentlich möchte, dass seine Forschungsergebnisse eine große Reichweite haben. Wenn es beim Zugriff auf wissenschaftliche Literatur für niemanden mehr Paywalls gäbe, würde es viel mehr Fortschritt geben, weil die Menge an Informationen, auf die man zugreifen könnte, auf einmal viel größer wäre. In der Free-Software-Bewegung funktioniert das einfach super gut.

LPI: Wo besonders?

Mark Swillus: Debian ist ein schönes Beispiel. Das ist aus der Free-Software-Bewegung entstanden und wird heute in unzählbar vielen Bereichen eingesetzt. Und durch die vielen Derivate von Debian wie Mint oder Ubuntu hat sich das Betriebssystem auf verschiedenste Arten nach den Bedürfnissen der Nutzer weiterentwickelt. OpenStack genauso. Ein Riesensystem, das mit dem Free-Software-Gedanken gestartet wurde.

LPI: Du studierst Ingenieur-Informatik in Aachen. Spielt Linux da eine Rolle?

Mark Swillus: Auf jeden Fall. Eine große Rolle im Robotik-Bereich. Wir haben mit dem Maskor-Institut ein Robotik-Insitut an der Fachhochschule und hier wird für die gesamte Entwicklung Linux verwendet. Das Robot Operating System (ROS) ist ein De-facto-Standard in der Robotik und komplett Open Source. Damit läuft dort viel Entwicklung. Und im Bereich der IT-Infrastruktur verwenden wir ausschließlich Linux, weil man damit die Konzepte am besten umsetzen kann. Und es gibt viele Leute, die wirklich Spaß daran haben und dann auch mit Linux weitermachen. Auch DevOps ist ein Thema, das komplett auf Basis von Linux abgebildet wird. Aber ich kann nur für unseren Fachbereich sprechen; es gibt noch viele andere, wo Linux eingesetzt wird.

LPI: Dein LPIC-1-Zertifikat hast Du während des Studiums gemacht, als Du längst fit warst in Sachen Linux. Warum war das Zertifikat dennoch wichtig für Dich?

Mark Swillus: Ich habe es aus Interesse am Thema gemacht und zur offiziellen Bestätigung, dass ich mich mit Linux intensiv auseinandergesetzt habe. Tatsächlich habe ich in der Vorbereitungsphase auch noch einiges für den professionellen Umgang mit Linux gelernt. Und Dank des Zertifikats kann ich heute an der Fachhochschule selber Linux-Essentials-Prüfungen abnehmen.

LPI: Du hast ja selber schon an den EuroSkills teilgenommen. 2014 in Lille. Weißt Du noch, was das für ein Gefühl war? Kann man sich überhaupt auf die Aufgabe konzentrieren, wenn einem so viele Leute zuschauen?

Mark Swillus:
Total. Das ist ziemlich stressig und man ist dermaßen konzentriert, dass man von dem ganzen Drumherum überhaupt nichts mitbekommt. Bei den Deutschen Meisterschaften geht das noch. Bei den Europameisterschaften fand ich das noch viel extremer; da ist der Druck auch noch mal höher. Da steht dann plötzlich das Deutsche Nationaltem hinter einem und die mediale Aufmerksamkeit ist noch mal wesentlich höher. Das ist schon echt extrem.

LPI: Heute sitzt Du in der Jury und hast die Aufgabe für den Open-Source-Bereich mit konzipiert. Wie kam es dazu?

Mark Swillus:
Wir waren bei den Europameisterschaften ein tolles Team und hatten viel Spaß zusammen. Daraus sind Freundschaften entstanden. Wir wollten den Kontakt auf jeden Fall halten und weil wir uns auch mit der Nationaltrainerin Almut Leykauff-Bothe sehr gut verstehen, haben wir gesagt, wenn es etwas für uns zu tun gibt und wir etwas beitragen können, sind wir auf jeden Fall dabei. Ich glaube, das ist auch das, worum es bei den WorldSkills eigentlich geht. Nicht nur darum, Talente zu fördern, sondern auch um den Austausch zwischen den Leuten. Vor allem auf internationaler Ebene. Es ist großartig, wenn man sich mit Menschen aus anderen Ländern über ein gemeinsames Thema austauschen kann. Wann hat man dazu schon mal die Gelegenheit?

Verfolgen kann man die Ereignisse rund um Skill 39 der WorldSkills auch auf dem Facebook-Kanal des LPI CE unter fb.com/LPIDACH/ oder auf Twitter unter twitter.com/LPI_CE